Kulturvermittlung und digitale Infrastruktur

Liebe Leser,

heute möchte ich ein weiteres Thema zur Diskussion stellen. In den letzten Beiträgen haben wir einen ersten thematischen Überblick geschaffen. Nun werden wir sicherlich versuchen müssen, die einzelnen Bereiche der Diskussion weiter zu führen. Zudem denke ich, dass es spannend wäre, wenn wir im Rahmen der Diskussion auch zu Ergebnissen, Forderungen oder Vorschlägen für die Gestaltung der Zukunft der Kulturvermittlung kommen würden.

Mit diesem Beitrag möchte ich ein paar Vorschläge zur digitalen Infrastruktur von Kulturinstitutionen entwickeln. Ich habe mich mit diesem Thema im Rahmen des 56. Kulturpolitischen Kolloquiums in Loccum beschäftigt. Dort sollten Birgit Mandel und ich eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema leiten und gestalten. Ich möchte im folgenden ein paar Gedanken aus dieser Arbeit formulieren:

Die Frage nach der digitalen Infrastruktur ist sehr wichtig. Nur bei einer funktionierenden und gut ausgebauten digitalen Infrastruktur sind die Kulturinstitutionen in der Lage, erfolgreiche und nachhaltige Angebote zur Kulturvermittlung im Internet zu entwickeln und zu realisieren. Ich zähle hierzu nicht nur die Hardware in Form von Internetzugängen etc. Vielmehr habe ich in diesem Fall auch den Ausbildungsstand der Mitarbeiter bezüglich Web 2.0 sowie die vorhandenen Arbeits- und Denkstrukturen beleuchtet.

Mir ist wichtig zu erwähnen, dass ich mit meinen Ideen auf keinen Fall behaupten möchte, dass es nicht schon einige spannende Projekte von Kulturinstitutionen im Web 2.0 gibt. Und natürlich gibt es Institutionen, die sehr wohl auf eine sehr gute digitale Infrastruktur zurückgreifen können. Mir ist ebenso bewusst, dass es viele Menschen aus Institutionen oder deren Umfeld gibt, die an dem Thema sehr interessiert sind. Trotzdem möchte ich meine Beobachtungen beschreiben und damit aufzeigen, an welchen Stellen m.E. Probleme vorhanden sind.

1. Technische Ausstattung
Viele Institutionen verfügen anscheinend nicht über eine ausreichende technische Ausstattung. Dazu gehören u.a.:

– veraltete Computersysteme
– zu langsamer Internetzugang
– kein freier Internetzugang
– kein freies WLAN für die Nutzer
– keine Möglichkeit, Add-ons für Browser wie den Firefox runterzuladen bzw. zu installieren

Dies sind aber letztlich die technischen Voraussetzungen, die die Kunden der Institutionen haben und nutzen. Ohne diese Ressourcen ist es schon technisch enorm schwer, ein aktiver Teil des Web 2.0 zu werden.

2. Aus- und Weiterbildung
Viele Institutionen verfügen anscheinend nicht über ausreichend ausgebildete Mitarbeiter im Bereich Social Media. Dies betrifft m.E. sowohl die technischen Kenntnisse z.B. wie erstellt man einen Blog oder einen Twitteraccount, als auch das Verstehen der dahinter stehenden Kultur bzw. Philosophie. (siehe die Erläuterungen in anderen Beiträgen in diesem Blog).

Das Problem betrifft m.E. sowohl die Weiterbildung der bereits vorhandenen als auch die Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter.

3. Strukturen und Arbeitsweisen
Eine wesentlich Frage für die vorhandenen Kulturinstitutionen ist die, ob sie mit ihren Strukturen und Arbeitsweisen überhaupt in das sog. Web 2.0 passen. Es reicht natürlich nicht aus, einen Blog oder eine Facebookseite zu haben. Viele dieser Angebote scheitern, weil man nicht verstanden hat, wie man im Web 2.0 kommunizieren bzw. sich verhalten sollte um erfolgreich mit der Community einen Dialog zu beginnen.

Hierzu gehört z.B. der Verlust der Deutungshoheit für Inhalte. Ebenso wichtig ist das Umfeld der Institution. Es gibt viele Kulturinstitutionen, die sehr gerne im Web 2.0 aktiv werden möchten, die aber mit Problemen in ihrem Umfeld zu kämpfen haben. Ein Beispiel: Eine Bibliothek oder ein Museum darf nicht frei entscheiden, über was es im Web 2.0 berichten bzw. kommunizieren möchte. Der Träger möchte hier eine Kontrolle ausüben. Dies könnte z.B. bedeuten, dass eine Institution über bestimmte Themen gar nicht berichten darf, weil dies eine Aufgabe z.B. des Stadtmarketing ist. Es wurden mir auch Fälle berichtet, bei denen alle Beiträge inkl. Twitter vorab genehmigt werden mussten.

Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Mitarbeiter der Institutionen frei entscheiden dürfen, was sie im Web 2.0 tun. Natürlich ist es wichtig, eine klare Strategie zu haben und natürlich kann man sich gemeinsam überlegen, in welche Richtung die Onlineaktivitäten gehen sollen. Jedoch sollten m.E. die Mitarbeiter dann in der Lage sein, eigenverantwortlich zu kommunizieren.

4. Mangelnde Ressourcen
Neben der nicht ausreichenden technischen Ausstattung fehlt es vielen Institutionen zudem an weiteren Ressourcen. Das größte Problem ist, dass schon jetzt die Mitarbeiter sehr oft so viele Aufgaben haben, dass das Web 2.0 als weitere zusätzliche Aufgabe nicht bzw. nicht ausreichend bearbeitet werden kann. Dies hat m.E. auch damit zu tun, dass mit dem Beginn der Arbeit im Web 2.0 die anderen Kommunikationskanäle nicht geschlossen werden sollen. Es gibt eine Vielzahl an Kunden von Kulturinstitutionen, die nicht Teil des Web 2.0 sind, und die auf anderen Kanälen mit der jeweiligen Institution kommunizieren möchten. Natürlich dürfen diese Menschen nicht vergessen werden. Klar ist: Die Arbeit im Web 2.0 ist nicht kostenlos. Die Nutzung von Plattformen wie WordPress, Facebook, Twitter etc. mag kostenlos sein – es entstehen aber Kosten für Personal, technische Infrastruktur, Aus- und Weiterbildung etc.

5. Innovationsmanagement
Neben der Aufgabe, die Kulturinstitution in der Breite zu einem Teil des Web 2.0 werden zu lassen müssen wir m.E. auch darüber nachdenken, wie wir die Institutionen fit für ihre digitale Zukunft machen. Das Web 2.0 wie wir es heute kennen, wird nicht so bleiben. Im Gegenteil: Das moderne Internet entwickelt sich stetig und mit großer Geschwindigkeit weiter. Hinzu kommen optional neue Technologien wie virtuelle Welten oder das mobile Internet. Es wird m.E. in der Zukunft nicht ausreichen, auf Technologien zu reagieren. Vielmehr wird es notwendig sein, diese neuen Angebote aktiv zu gestalten. Deshalb wird ein funktionierendes Innovationsmanagement notwendig sein. Dabei geht es nicht nur um den Umgang mit den Technologien sondern auch um eventuell notwendige Umgestaltung der Institutionen.

In der Vorbereitung auf das Kolloquium in Loccum wurde ich auch gebeten, ein paar Thesen bezüglich der Frage zu formulieren, was meiner Meinung nach getan werden sollte, damit eine breite Nutzung der Möglichkeiten die sich mit dem Web 2.0 für die Zukunft der Kulturvermittlung ergeben, realisiert wird. Diese Vorschläge möchte ich nun zur Diskussion stellen:

  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten  alle Mitarbeiter in Kulturinstitutionen mit der digitalen Welt vertraut gemacht werden
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollte jede Kulturinstitution kostenloses WLAN für die Kunden anbieten
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen zusammen mit weiteren Partnern Schulungsangebote im Bereich Web 2.0 für Ihre Kunden anbieten
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Institutionen einen eigenen, freien Internetzugang haben
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Studenten im Grundstudium ein Einführungsseminar zur Nutzung der digitalen Welt bekommen
  • Ab dem Jahr 2016 sollten keine neuen Mitarbeiter in öffentlichen Kulturinstitutionen eingestellt werden, die nicht über ein fundiertes Wissen zum Thema „digitale Welt“ verfügen
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen mit aktiven digitalen Angeboten starten.
    • Keine reine PR-/Marketing-Aktivitäten
    • Keine reine Präsentation bzw. kein reines Verfügbarmachen der Inhalte (Beispiel: Buchdigitalisierung)
  • Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten 20% aller digitalen Aktivitäten zusammen mit anderen Gruppen wie z.B. Unternehmen aus der Gamesindustrie entwickelt und realisiert werden
  • In den nächsten 3-5 Jahren sollten mindestens 25% aller Mittel für kulturelle Infrastruktur in die digitale Infrastruktur investiert werden
  • In den nächsten 5 Jahren sollten bundesweit Innovations-Labore für Kultur- und Bildungsinstitutionen entwickelt werden. Diese Labore (mindestens 20) haben u.a. die Aufgabe, Innovationsmanagement zu betreiben.
  • Bis zum Jahr 2014 sollte eine bundesweite Zukunftsstrategie für die Kultur- und Bildungsinstitutionen entwickelt werden, die die Institutionen in die Lage versetzt, auf zukünftige Herausforderungen (Web 3.0, virtuelle Welten etc.) nicht nur zu reagieren sondern diese aktiv zu gestalten.

Einige dieser Vorschläge mögen banal klingen. Sie sind aber das Ergebnis meiner Beobachtungen sowie vieler Gespräche mit Menschen aus unterschiedlichen Institutionen. Mir ist auch bewusst, das einige dieser Vorschläge Geld kosten und teilweise u.a rechtliche Probleme gelöst werden müssen (Beispiel: illegale Nutzung eines offenen WLAN-Netzes). Zudem ist mir klar, dass einige Vorschläge über die Grenzen der Institutionen hinaus wirken, indem sie z.B. auch die Träger und/oder weitere Stakeholder betreffen.

Wir zu Beginn erwähnt möchte ich nicht behaupten, es gäbe keine interessanten und spannenden Projekte im Bereich der Kulturvermittlung im Internet bzw. in der digitalen Welt. Ich bin jedoch der Meinung, dass es aus unterschiedlichen Gründen zu wenig Aktivitäten sind. Die genannten Gründe für diese Situation sind sicherlich nicht die einzigen und ich würde mich freuen, wenn Ihr noch weitere Gründe aufzeigen würdet. Ebenso spannend wäre natürlich Eure Meinung zu meinen Vorschlägen zu erfahren.

Beste Grüße

Christoph Deeg

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7 Kommentare

  1. Hallo, ich möchte nicht unhöflich sein, aber mir sind nur gerade ein paar Impuls-Reaktionen auf die Tasten gekippt. Es soll nicht bös sein, aber irgendwie bin ich mit den Resultaten der „Beobachtungen“ nicht so ganz zufrieden::
    THESEN-KOMMENTARE:
    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten  alle Mitarbeiter in Kulturinstitutionen mit der digitalen Welt vertraut gemacht werden.
    >>>Das sehe ich nicht unbedingt so. Was heißt hier „digitale Welt“?

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollte jede Kulturinstitution kostenloses WLAN für die Kunden anbieten
    >>>Warum das? Die Leute, die das Web nutzen bzw. den ganzen Web 2.0-Kram, haben dann eh ein Smartphone, mit dem sie ständig im Netz sind. Warum dann ein WLAN für alle zusätzlich?

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen zusammen mit weiteren Partnern Schulungsangebote…
    >>>Bitte? Sollen jetzt Kulturinstitutionen wie Museen, Ausstellungshäuser, Theater und andere fragwürdige medienpädagogische Workshops anbieten, obwohl die Mitarbeiter der „Kulturinstitutionen“ selbst hier s.o. als inkompetent in diesem Bereich gelten? Das kann nicht wirklich so gemeint sein, oder? Ich denke, hier wird die Not am falschen Ende beschrieben.

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Institutionen einen eigenen, freien Internetzugang haben
    >>>Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es sooo viele Institutionen gibt, die keinen Internetzugang haben. Oder ist hier der „Frei-für-alle-Zugang“ gemeint? Wenn ja, dann siehe Kommentar zu „WLAN für alle“.

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Studenten im Grundstudium …
    >>>In 5 Jahren, wird diese Art von Grundkurs nicht mehr nötig sein. Gähnend werden die Augen vor dem Dozenten geschlossen werden, weil sie sich bereits besser auskennen, als er selbst.

    Ab dem Jahr 2016 sollten keine neuen Mitarbeiter in öffentlichen Kulturinstitutionen eingestellt werden…
    >>>Wenn fundiertes Wissen heißt, dass man wissen sollte, dass es die digitale Welt gibt, dann ist wäre das für o.k., aber in einer Einrichtung, die sich vielleicht hauptsächlich mit nicht-digitalen Dingen beschäftigt und auch über ganz andere Kommunikationskanäle verfügt (soll’s ja geben), wäre dies m.E. nach keine Grundvorraussetzung. Wer weiß, was 2016 alles noch gebraucht wird zu diesem Thema. Vielleicht implodiert ja irgendwann dieser Wahn wieder.

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen mit aktiven digitalen Angeboten starten…
    >>>Das könnte man machen, wenn es der Sache, der Vermittlung, der Institution hilft und ein vernünftiges Konzept dahinter steht ohne den Zwanghaften Gebrauch von Tools und Plattformen, wie Twitter, Facebook & Co.

    Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten 20% aller digitalen Aktivitäten …
    >>>Aaaah! Warum?

    In den nächsten 3-5 Jahren sollten mindestens 25% aller Mittel für kulturelle Infrastruktur in die digitale Infrastruktur investiert werden.
    >>Ich wäre damit einverstanden, wenn es heisst: In den nächsten 3-5 Jahren sollten mindestens 25% mehr Mittel für kulturelle Infrastruktur zur Verfügung stehen, die in digitale Infrastruktur investiert werden kann.

    In den nächsten 5 Jahren sollten bundesweit Innovations-Labore….
    >>Willkommen im autopoietischen Utopia!

    Bis zum Jahr 2014 sollte eine bundesweite Zukunftsstrategie ….
    >>Da ich bis jetzt immer so schön negativ war, sage ich jetzt: Ich bin irgendwie dagegen!

    So, ich bekommen bestimmt ’ne Schelle zurück, aber zur Diskussion gehört auch mal ein Sturm, oder?

    Antwort
    • Lieber OK2punktnull,

      erstmal vielen Dank für Ihren Kommentar und nein es gibt mit Sicherheit keine Schelle. Ich stelle diese Ideen und Gedanken ja zur Diskussion – Kritik ist also gewünscht. Ich hoffe es ist ok, wenn ich innerhalb der Kommentare antworte:

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Mitarbeiter in Kulturinstitutionen mit der digitalen Welt vertraut gemacht werden.
      >>>Das sehe ich nicht unbedingt so. Was heißt hier „digitale Welt“?

      —>Mit digitaler Welt meine ich das moderne Internet, also das was wir Web 2.0 nennen aber auch ein Verständnis für Themen wie das mobile Internet. Ebenso bedeutet dies m.E. die Beschäftigung mit Plattformen wie den Computergames. Meine Beobachtung ist die, dass es größtenteils zu wenig Kenntnisse in den Institutionen gibt. Natürlich gibt es Mitarbeiter und Institutionen bei denen das anders ist, aber das hatte ich ja in meinem Beitrag erwähnt.

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollte jede Kulturinstitution kostenloses WLAN für die Kunden anbieten
      >>>Warum das? Die Leute, die das Web nutzen bzw. den ganzen Web 2.0-Kram, haben dann eh ein Smartphone, mit dem sie ständig im Netz sind. Warum dann ein WLAN für alle zusätzlich?
      —>Zum Einen ist es so, dass nicht sicher ist, dass alle Menschen in naher Zukunft Smartphones mit Flatrates haben. Zum Anderen ist es ein interessanter Service, dem Kunden einen kostenlosen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Allerdings gebe ich Ihnen insofern recht, dass dieser Punkt dann gelöst wäre, wenn wirklich alle Menschen mit Smartphones und preiswerten Flatrates online sein könnten.

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen zusammen mit weiteren Partnern Schulungsangebote…
      >>>Bitte? Sollen jetzt Kulturinstitutionen wie Museen, Ausstellungshäuser, Theater und andere fragwürdige medienpädagogische Workshops anbieten, obwohl die Mitarbeiter der „Kulturinstitutionen“ selbst hier s.o. als inkompetent in diesem Bereich gelten? Das kann nicht wirklich so gemeint sein, oder? Ich denke, hier wird die Not am falschen Ende beschrieben.
      —> Es geht mir nicht darum, fragwürdige medienpädagogische Wokshops anzubieten. Das Web 2.0 ermöglicht es Kulturinstitutionen, auf völlig neue Art und Weise mit ihren Kunden zu kommunizieren. Wir können kulturelle Inhalte auf neue Art und Weise wahrnehmen, erschliessen, vernetzen etc. Diese neuen Möglichkeiten können wir aber nur nutzen, wenn die Institutionen und Ihre Kunden mit diesen Plattformen vertraut sind. So wie Institutionen von den Kunden lernen können, die diese Kenntnisse bereits haben, können Institutionen daran anschließend denen helfen, die über dieses Wissen noch nicht verfügen. Ich möchte mir erlauben auf einen Beitrag von mir auf einem anderen Blog zu verweisen, der diesen Gedankengang vertieft: http://crocksberlin.wordpress.com/2011/02/10/von-brieftauben-dem-web-2-0-und-kulturinstitutionen/ Ob diese Angebot eletztlich von versierten Mitarbeitern der Institution oder aber wie ja erwähnt von Partnern wie z.B. Volkshochschulen oder Medienpädagogen oder oder oder realisiert werden ist in diesem Zusammenhang zweitrangig.

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Institutionen einen eigenen, freien Internetzugang haben
      >>>Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es sooo viele Institutionen gibt, die keinen Internetzugang haben. Oder ist hier der „Frei-für-alle-Zugang“ gemeint? Wenn ja, dann siehe Kommentar zu „WLAN für alle“.

      —> Ich habe mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen können, das dies ein Problem ist – bis ich es selber gesehen habe. Sehr viele Institutionen hängen an den Stadtnetzen und diese Netze sind – aus gutem Grund – sehr eingeschränkt. Viele Institutionen müssen Anträge stellen, wenn sie z.B. Zugriff auf Facebook oder Youtube haben möchten. Das ist kein Scherz! In vielen Gesprächen – ich arbeite für und mit sehr vielen dieser Institutionen zusammen – habe ich erfahren, dass dies wirklich ein Problem ist. Natürlich habe ich keine Prozentzahlen, ich glaube aber auch nicht, dass ich nur die Institutionen erwische, bei denen es nicht geht. Aber ich möchte eine Frage zurück stellen: Würden Sie mir zustimmen, dass alle Instituitionen einen freuen Internetzugang haben sollten?
      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Studenten im Grundstudium …

      >>>In 5 Jahren, wird diese Art von Grundkurs nicht mehr nötig sein. Gähnend werden die Augen vor dem Dozenten geschlossen werden, weil sie sich bereits besser auskennen, als er selbst.

      —> Ich wünsche mir, dass Sie Recht haben aber: die Realität an den Universitäten sieht heute komplett anders aus. Die meisten Studenten beherrschen Plattformen wie Facebook. Es sind dies ihre persönlichen Kommunikationswerkzeuge. Schon bei Twitter oder einem Blog wird es schwieriger. Ich mache diese Erfahrung selber in meiner Arbeit an einer Universität und ich rede mit vielen Dozenten und Professoren unterschiedlicher Universitäten, die mir dies bestätigen. Es ist nicht so, dass die sog. jüngere Generation diese neuen Angebote blind beherrscht – woher auch. In den Schulen und Universitäten wird es zumeist nicht verlangt.
      Ab dem Jahr 2016 sollten keine neuen Mitarbeiter in öffentlichen Kulturinstitutionen eingestellt werden…

      >>>Wenn fundiertes Wissen heißt, dass man wissen sollte, dass es die digitale Welt gibt, dann ist wäre das für o.k., aber in einer Einrichtung, die sich vielleicht hauptsächlich mit nicht-digitalen Dingen beschäftigt und auch über ganz andere Kommunikationskanäle verfügt (soll’s ja geben), wäre dies m.E. nach keine Grundvorraussetzung. Wer weiß, was 2016 alles noch gebraucht wird zu diesem Thema. Vielleicht implodiert ja irgendwann dieser Wahn wieder.

      —> Also ein Wahn ist es nicht. Im Gegenteil. Zudem gibt es m.E. keine Institution für die das Web 2.0 keine Relevanz hat. Was für eine Institution soll dies sein? Alle Kulturinstitutionen haben u.a. die Aufgabe der Kulturvermittlung – und das Web 2.0 ist eine der wichtigsten Plattformen dafür. Gegenfrage: würden Sie auch sagen, dass man nicht wissen muss wie man schreibt oder telefoniert? Das Web 2.0 ist die nächste große Kultur- bzw. Kommunikationstechnik

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten alle Kulturinstitutionen mit aktiven digitalen Angeboten starten…
      >>>Das könnte man machen, wenn es der Sache, der Vermittlung, der Institution hilft und ein vernünftiges Konzept dahinter steht ohne den Zwanghaften Gebrauch von Tools und Plattformen, wie Twitter, Facebook & Co.

      —> Nein auch hier geht es nicht um etwas zwanghaftes – es geht darum diese Plattformen zu nutzen bzw. zu gestalten. Ob dies in 5 Jahren Facebook und Twitter oder Foursquare und eine App ist werden wir sehen. Natürlich geht es nicht darum, eine Technologie zu nutzen weil es sie gibt oder weil sie cool ist – sondern es geht darum zu überlegen wie man diese Technologie für sich nutzen kann. Zugegeben: ich sehe die Kulturinstitutionen in der Pflicht das moderne Internet aktiv zu gestalten.

      Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollten 20% aller digitalen Aktivitäten …
      >>>Aaaah! Warum?

      —> ganz einfach: Weil die es können. Diese Unternehmen gestalten die digitale Welt. Ihr Wissen, Ihre Struktur ihre Ressourcen etc. all das ist darauf vorbereitet. Kulturinstitutionen können von diesen Unternehmen sehr viel lernen. Genauso wie diese Unternehmen in anderen Bereichen viel von Kulturinstitutionen lernen können.

      In den nächsten 3-5 Jahren sollten mindestens 25% aller Mittel für kulturelle Infrastruktur in die digitale Infrastruktur investiert werden.
      >>Ich wäre damit einverstanden, wenn es heisst: In den nächsten 3-5 Jahren sollten mindestens 25% mehr Mittel für kulturelle Infrastruktur zur Verfügung stehen, die in digitale Infrastruktur investiert werden kann.

      —> das sehe ich anders. Das moderne Internet, virtuelle Welten etc. sind m.E. keine optionale Zusatzaufgabe die man mal umsetzt wenn es dafür Geld gibt. Wir werden u.U. über eine Umverteilung der finanziellen Ressourcen reden müssen.
      In den nächsten 5 Jahren sollten bundesweit Innovations-Labore….
      >>Willkommen im autopoietischen Utopia!

      —> Wieso? Nur weil ich versuchen möchte einen Weg zu finden das System Kulturinstitution zukunftsfähig zu gestalten? Diese Labore würden funktionieren. Ja, wir müssen dafür einiges ändern und ja wir reden wenn wir über das Web 2.0 reden nicht mehr nur über Technik und die dahinter stehende Kultur sondern über einen Prozess der in die Institutionen hineinwirken wird. Die Institutionen werden durch die Kultur des Web 2.0 im positiven verändert – wenn sie sich dem öffnen. Und warum sollte ein Weg, den ganz viele erfolgreiche Unternehmen gehen, nicht auch für Kulturinstitutionen relevant sein? Es gibt Institutionen die dies versuchen – und die damit sehr erfolgreich sind. Aber hier wie in allen anderen Bereichen gilt: es sind zu wenige…

      Bis zum Jahr 2014 sollte eine bundesweite Zukunftsstrategie ….
      >>Da ich bis jetzt immer so schön negativ war, sage ich jetzt: Ich bin irgendwie dagegen!

      —-> Ich bin – nicht nur irgendwie – dafür:-)

      Beste Grüße

      Christoph Deeg

      Antwort
  2. „Würden Sie mir zustimmen, dass alle Instituitionen einen freuen Internetzugang haben sollten?“

    >>Diese Frage würde ich gerne mit „Ja“ beantworten, jedoch kenne ich mich in den Gründen, die gegen einen grundsätzlich freien Zugang sprechen, nicht genügend aus. Es kann ja auch sein, dass das Intranet möglichst sicher bleiben und geschützt sein soll, weswegen der komplett freie Zugang zu Problemen führen könnte. Wenn man jedoch zur Recherche und zur Arbeit mit dem Web 2.0 oder anderer Anwendungen das Internet mit Apps, xxx.exe und Accounts für’s Web 2.0 hier und da braucht, müssten dafür dann evtl. Möglichkeiten geschaffen werden. Es muß jedoch nicht unbedingt zwangsläufig jeder immer diese Anwendungen bedienen können und Zugang haben. Es kommt natürlich immer darauf an, welche Art Verzahnung es zwischen Institution dem Netz geben soll.
    Ich denke, es ist hier immer wichtig, dass man nicht alle Institutionen mit ihren möglichen Bedürfnissen oder Mängeln in Sachen Social Media über einen Kamm scheren sollte. Genenerelle Kategorisierung ist m.E. nicht immer gut. [> Diskussionsraum!!]

    „Ich wünsche mir, dass Sie Recht haben aber: die Realität an den Universitäten sieht heute komplett anders aus. Die meisten Studenten beherrschen Plattformen wie Facebook. Es sind dies ihre persönlichen Kommunikationswerkzeuge. Schon bei Twitter oder einem Blog wird es schwieriger. Ich mache diese Erfahrung selber in meiner Arbeit an einer Universität und ich rede mit vielen Dozenten und Professoren unterschiedlicher Universitäten, die mir dies bestätigen. Es ist nicht so, dass die sog. jüngere Generation diese neuen Angebote blind beherrscht – woher auch. In den Schulen und Universitäten wird es zumeist nicht verlangt.“

    >>Vielleicht kommen wir hier auch nicht ganz auf einen Nenner, da ich dem generellen Nutzen in der Kommunikation mit Twitter und Facebook auch oft kritisch gegenüber stehe. An sich ist die Möglichkeit der Kommunikation sehr bedeutend und positiv, jedoch muß man auch fragen, wer denn sonst noch so Nutzen aus dieser Kommunikation zieht. Als Kulturinstitution, die sich mit kritischer Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart, mit Machtinstrumenten und Manipulationen beschäftigt, sei es im Theater, in Ausstellungen oder Kulturevents, die die Vermittlung von Auseinandersetzung mit unserer Kultur im Sinn hat, so muß sie auch den Auftrag haben, kulturwissenschaftlich und medienkompetent (hier ist nicht nur die Technikkompetenz gemeit) neue Anwendungen, Kommunikationsstrategien und deren Machtinstrumente kritisch zu beurteilen und ggf. sogar aktiv dagegen zu handeln. Zu Recht sträubt sich vielleicht die ein oder andere Instituition sich dem Strom anzuschließen.
    Angesichts der knappen Ressourcen für Kunst und Kultur sind die Institutionen natürlich gefordert sich zu wandelen, gerade im Bereich der Vermittlungsaktivitäten. In den oft statisch, hierarchischen Strukturen -hört man immer wieder – findet eben zu wenig Bewegung statt. Wenn eine Absegung von Pressetexten schon durch 5 Hände bis nach oben gehen muß bis die Herausgabe genehmigt wird, dann ist es natürlich nicht verwunderlich, dass es einige Zeit brauchen wird, bis eine solche Einrichtung überhaupt davon einfach so überzeugt wird, dass das Web 2.0 mit der Bedeutung der Reaktion „on Demand“ einen Zugewinn darstellt. Hier finde ich besonders wichtig, dass eine Einrichtung nicht gleich mit einem Grundkurs für alle beginen sollte, sondern ein geplantes Projekt, eine Ausstellung o.ä. mit einer einzigen, konzeptiuell sinnvollen, vielleicht aber auch etwas experimentellen und GESTALTERISCHEN Aktion – mit Einbeziehung der „neuen Möglichkeiten“-, starten sollte. Klar umrissen, offen für Reaktionen, einfach auswertbar und Hemschwellen abbauend müsste so eine Annäherung stattfinden. Dann kann darauf aufgebaut werden. Hier sehe ich den Sinn von Einbeziehung Externer, sich mit der Materie und den Möglichkeiten des W2.0 oder aber auch der Games auskennen. Unterstützend können sie bei der Konzeption und Umsetzung mithelfen, jedoch nur, wenn sie sich auch mit dem inhaltlichen Kontext der Instituition ein wenig auskennen und eine Kooperation und Kommunikation „auf Augenhöhe“ stattfinden kann. Es ergäbe sich daraus evtl. zukünftiges Potenzial für Kulturvermittler, die gerade in den sich wandelnden Aufgaben und Möglichkeiten der Vermittlung einen neuen Pool in Form von Agenturen schaffen könnten, in denen Technologie, Gestaltung, kultuwissenschaftliche und künstlerische Wissenskompetenz plus Management-, PR- und Marketingstratgieentwicklung zusammenlaufen könnten. Durchaus erweiterbar oder spezialisierbar könnten diese Agenturen als Dienstleister und/oder „Künstler“ mit einer Instituition arbeiten. Eine solche Agentur könnte als Vernetzungsorgan zwischen verschiedenartigen Instituition agieren, wiederum Kooperationsprojekte iniziieren und so positiv eine Flexibilisierung bzw. Öffnung der Instituitionen vorantreiben. Die Finanzierung der hier beschiebenen Idee ist eine zweite Sache, die es ausführlich zu beschreiben gilt, denn genau wie die sich wandelnden Kommunikationsmöglichkeiten stehen heute auch neue Finanzierungsexperimente wie Crowdfunding u.ä. auf dem Prüfstand bzw. in der Entwicklung.
    Um nochmal auf die Frage zurückzukommen, ob alle Mitarbeiter einer Institution grundsätzlich ein volles Verständnis von derzeitigen und zukünftigen Möglichkeiten der digitalen Information, Kommunikation und Spielkulur haben sollten: Ich denke, es ist einfach zu viel verlangt. Alle können und müssen nicht alles wissen und nutzen. Die Frage, ob man wissen sollte, wie man schreibt oder telefoniert…. Ja, man sollte schon schreiben können. In Zeiten der Chats und SMS wird diese Kompetenz jedoch immer geringer. Einige Forschungen zeigen, dass das Konzentrationsvermögen und die Kompentenz des Lesens längerer Texte oder Bücher schwindet parallel zur immer intensiveren Nutzung des Nicht-Linearen Internets. Es gibt sogar Untersuchungen, die durch den digitalen Wandel und all ihrem PIPAPO eine schwindende Emphatiefähigkeit prognostizieren… Da mache ich gerade eine andere Diskussion auf, die es aber auch zu bedenken gibt und dem Stichwort „Aufpassen! Nicht alles Neue muß gut für jeden sein!“
    So, es gibt sicherlich noch viele weiter Punkte, die weiterzudenken und weiterzudikutieren sich lohnt… Was meinen Sie?
    Grüße, Frau ok2punktull

    Antwort
  3. Hallo Christoph,

    ich kann da nur zustimmen! Zwar schreibst Du selbst, dass sich einiges „banal“ anhört, aber es kann nicht häufig genug wiederholt werden, da vieles einfach traurige Realität ist. Ok2punktnull ist da sehr – wie soll ich sagen – „optimistisch“ und hat wahrscheinlich bisher scheinbar nur positive Erfahrung gemacht und denkt eben an die „Vorzeige-Social-Web-Institutionen“, die hier ja nicht gemeint sind. Ich will nicht alles kommentieren, nur zwei Sachen: (1) Nicht nur der freie Netzzugang ist ein Problem, sondern auch die Einstellung. Vor kurzem musste ich von einem Mitarbeiter eines Museum hören, dass es ihm untersagt sei, während der Arbeitszeit Twitter, Facebook & Co zu nutzen und ihm seine Vorgesetzten nahe gelegt haben, er solle die Twitter, Facebook und sonstige Präsenz des Museums eben in der Mittagspause und nach Feierabend pflegen … sicherlich auch ein Extremfall, aber er zeigt, wo die eigentlichen Probleme stecken. (2) Die Studierenden in meinen aktuellen Kursen an unterschiedlichen Hochschulen haben fast alle ein Facebook-Account und können hier und da klicken. Aber genau wie es z. B. offline für einen Kulturvermittler nicht ausreichend ist, dass er sprechen, lesen und in Büchern blättern kann ist das für Online-Kulturvermittlung (und Marketing) erst der Anfang (und natürlich gibt es auch hier Studierende, die eine Ausnahme bilden).

    In einer Sache stimme ich ok2punktnull zu: Nicht alles „Neues“ ist per se für den Kunst- und Kulturbereich geeignet – man muss genau darüber nachdenken, welchen „Nutzen“ es bringen könnte. Ich habe das schon oft gesagt, geschrieben und gepredigt und erlaube hier noch kurz einen Link auf meinen Beitrag „Warum scheuen Kulturbetriebe die Nutzung des Web 2.0“:

    http://wp.me/pSLO0-E8

    Ansonsten bin ich gespannt, wie hier die Diskussion weiter geht und bedanke mich bei Christoph, dass er diese ausgelöst hat!

    Antwort
  1. Meine Eindrücke und Gedanken zur Mai-Tagung in Bremerhaven | Kulturbeutel
  2. In welche kulturelle Infrastruktur wollen wir investieren? | Kulturbeutel
  3. Der Kulturinfarkt – ein Kommentar und ein Gegenmodell | Kulturbeutel

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