Wo findet Kultur statt und wer bildet Kulturvermittler aus?

Liebe Leser,

wie bereits in einem anderen Post geschrieben, werden Birgit und ich zu bestimmten Themen in der Diskussion neue Artikel schreiben. Dies tun wir, da wir sonst eine unübersichtliche Menge an Kommentaren aber nur sehr wenige Artikel haben. In diesem Artikel beziehe ich mich auf zwei Kommentare von Birgit und einen von Christian Henner-Fehr. Beide erwähnen, dass das Web als solches nicht automatisch dafür sorgt, dass sich Menschen mit verschiedenen kulturellen Inhalten befassen. Es sei eher vergleichbar mit einer Leinwand, die man nun gestalten könne und müsse. Zudem hofft Birgit, dass die Institutionen die Kulturmanager und Kulturvermittler ausbilden, dies auch in der Zukunft tun werden, und dass sie sich dafür an die neuen Aufgabenstellungen anpassen müssen. Ich möchte nun auf beide Punkte eingehen.

Zu 1: Ich kann dem Gedanken, dass das Web vergleichbar mit einer Leinwand ist nur zustimmen. Allerdings würde ich daraus eine Verantwortung der Kulturinstitutionen ableiten, diese Leinwand zusammen mit allen anderen Menschen aktiv zu gestalten. Wenn wir dies akzeptieren bzw. erreichen wollen, dann müssen wir meiner Meinung nach das Web nicht als externe Plattform außerhalb der Kultur und ihrer Institutionen, sondern als festen Teil quasi als virtuelle Erweiterung der Institutionen verstehen. Betrachten wir das Web als Raum, der den physischen Raum der Institution erweitert, ergeben sich neue Möglichkeiten bzw. neue Aufgaben. Es geht dann – wie schon erwähnt – nicht mehr primär darum, durch die Onlineaktivitäten neue Besucher im realen Raum zu generieren. Es geht dann vielmehr darum, Menschen mit den kulturellen Inhalten zusammen zu bringen. Egal ob dies im physischen oder im virtuellen Raum geschieht.

Zudem stellt sich die Frage, ob die Internetnutzer diese strikte Trennung zwischen real und virtuell überhaupt erleben. Ein Beispiel: Ein Museum mag davon ausgehen, dass ein bestimmtes Bild am besten real erlebt werden sollte. Eine virtuelle Kopie könne nie das reale Erlebnis ersetzen. Ich stimme dem gerne zu. Das reale Erlebnis in einem realen Museum kann nicht durch ein virtuelles Erlebnis ersetzt werden. Es ist aber auch umgekehrt so, dass das reale nicht das virtuelle Erlebnis ersetzen kann. Die Aufgabe des Kulturvermittlers in der Zukunft ist es meiner Meinung nach, beides zu ermöglichen bzw. mit beiden Plattformen zu spielen. Es geht also nicht um ein „Entweder oder“ sondern um ein „sowohl als auch“.

Zu 2. Ich hoffe auch, dass die Institutionen, die Kulturvermittler und Kulturmanager ausbilden, dies auch in Zukunft tun. Ich bin allerdings skeptisch, ob die Institutionen den Kulturvermittler 2.0 wollen bzw. darauf vorbereitet sind. Ich habe zudem den Eindruck bzw. die Sorge, dass dieses Thema nicht ernst genommen wird. Ein Grund könnte sein, dass sich hierfür die Bildungsinstitutionen selber ändern müssten. Anders ausgedrückt: die Bildungsinstitutionen sind meiner Meinung nach nicht mit dem Web kompatibel – auch wenn Sie nun Facebookseiten haben oder twittern. Dies soll kein Vorwurf sein und ich behaupte auch nicht, dass hier gar nichts passiert. Aber ich bin der Meinung, das die vorhandenen Aktivitäten nicht ausreichen. Wenn meine Einschätzung richtig ist, haben wir ein sehr großes Problem, denn es werden nun Menschen ausgebildet, die die Kulturvermittlung der nächsten 20-30 Jahre prägen sollen und werden. Es geht dabei gar nicht alleine um die Themen Web 2.0 oder Computergames sondern vielmehr um eine große Zahl weiterer Themen die direkt und indirekt damit zusammenhängen.

Es ergeben sich meiner Meinung nach zwei Fragen:

1. Sind die Bildungsinstitutionen in der Lage und Willens, den Kulturvermittler 2.0 auszubilden?

2. Verfügen die Kulturinstitutionen überhaupt über die notwendige Infrastruktur und wie sollte zudem diese Infrastruktur aussehen?

Beste Grüße

Christoph Deeg

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